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Kaffee in der DDR

Die Geschichte der DDR lässt sich als eine einzige Kaffee-Geschichte beschreiben. Ähnlich wie im Westen war Kaffee nach dem Krieg nur ein Tauschobjekt, Anfang der 50er Jahre besserte sich aber allmählich die Situation. Als es in den 70er Jahren aber zu einer Kaffeekrise in der DDR kam, probte das Volk fast den Aufstand. Ein Überblick über den DDR Kaffee.

Anfang der 50er Jahre importierte die DDR Kaffee aus der Sowjetunion. Sozusagen als Brudergeschenk. Jedes Jahr waren es über 10.000 Tonnen, weswegen bald fast jeder Bürger ausreichend Kaffee zur Verfügung hatte. Als der "große Bruder" 1954 jedoch den "Kaffeehahn" zudrehte, kam es zu einer ersten kleinen Krise. Die DDR Führung entschied schnell, dass man den Mangel über Devisengeschäfte auf dem Weltmarkt ausgleichen musste. Im Jahr 1959 wurden auf diese Weise über 16.000 Tonnen Kaffee in die DDR geliefert. Dies ging einher mit großen Werbekampagnen der DDR Röstereien für Produkte wie Kosta oder Ronda.

Innerdeutscher Kaffeeschmuggel

Zeitgleich bekam der innerdeutsche "Handel" eine immer größere Bedeutung. Westbürger verschenkten Kaffee an ihre DDR Verwandten - vor dem Mauerfall wurden allein in Berlin jährlich viele Tonnen auf diese Weise in die sozialistische Welt geschafft. Mit dem Mauerbau ebbte dies wieder ab, auch wenn durch ältere DDR Bürger, die entsprechende Passierscheine besaßen, noch immer Kaffee in die DDR geschmuggelt wurde.

Kaffeehauskultur in der DDR

Die Phase der 60er bis frühen 70er ging einher mit einer stabilen Versorgungslage der DDR mit Kaffee. Eine breite Kaffeehauskultur entwickelte sich, teilweise mussten Besucher von Cafés mit Wartezeiten rechnen, ehe sie sich an einen frei werdenden Tisch setzen durften. Entsprechend streng waren auch die Augen der Staatsführung, die von den Café-Betreibern eine genaue Protokollierung der verkauften und selbstverbrauchten Mengen Kaffee verlangten. Pro Tasse waren in der DDR zudem mindestens 6,5 Gramm Kaffeepulver vorgeschrieben.

Kaffee-Krise in der DDR

Eine Missernte 1976 in Brasilien löste dann die sogenannte Kaffee-Krise in der DDR aus. Die explodierenden Weltmarktpreise alarmierten die höchsten Stellen des Politbüros, weswegen Erich Honecker persönlich eine Streckung des Kaffees durch Surrogate (vornehmlich Gerste, Zuckerrüben und Erbsen) anordnete.

DDR Kaffee-Mix erhitzt Gemüter

Der berühmte "Kaffee-Mix" bestand zu 49% aus eben diesen Ersatzstoffen und zu 51% aus Bohnenkaffee - und schmeckte fürchterlich. Zum ersten und vielleicht einzigen Mal griffen die Methoden der Marktwirtschaft in der DDR, weil ihre Bürger den Kaffee-Mix einfach nicht kaufen wollten. Mehr noch: Man empörte sich in tausenden Beschwerdebriefen mit einer ungewohnten Offenheit über dieses Gebräu, dass im Volksmund den Beinahmen "Erichs Krönung" erhielt. Viele Cafés klagten zudem darüber, dass der Kaffee-Mix die Kaffeemaschinen zerstört, da das in den Erbsen enthaltene Eiweiß unter Druck und Hitze aufquillt und die Filteranlagen verstopft.

Stahlhelme gegen Kaffeebohnen

Da man sogar im Politbüro erkannte, dass sich am DDR Kaffee Volkes Zorn zu entladen droht, ging man zunehmend zu Tauschgeschäften mit sozialistischen Bruderstaaten wie Äthiopien und Angola über - neben Maschinen wurden auch Stahlhelme und Munition gegen die frischen Bohnen getauscht. Mit Erfolg - die Lage entspannte sich wieder und die DDR konnte mit Produkten wie Mocca-Fix wieder hochwertigen Kaffee anbieten, der bei Engpässen sogar mit Bohnenmischungen produziert wurde, die man beim Klassenfeind in Hamburg einkaufte. Trotzdem blieben die Bürger der DDR ihrem Kaffee gegenüber skeptisch. Ein Grund mag die Schutzatmosphäre gewesen sein, unter denen der Kaffee verpackt wurde.

Anders als im Westen versuchte man das Aroma nicht durch eine Vakuumverpackung zu erhalten, sondern indem man ein Gas in die Mokka-Fix Beutel strömen lies, dass, bei allem Respekt, ziemlich unanständig roch.

Kaffeeanbau im Vietnam

Um langfristig unabhängiger vom Weltmarkt zu sein, machte die DDR ein Abkommen mit dem Vietnam. Hier sollte im großen Stil Kaffee mit Technik und Know-How aus der DDR angebaut werden. Dies ist der Grund, warum Vietnam heute ein wichtiger Produzent auf dem Weltmarkt ist. Seinerzeit aber konnte der DDR Kaffee davon nicht profitieren: Die ersten größeren Ernten waren erst für 1990 angesetzt - vorher mussten die jungen Stauden noch wachsen.

Westpakete Wirtschaftsfaktor

Man sagt, dass in den 80ern etwa 1/5 des gesamten Bedarfs der DDR an Kaffee durch "Westpakete" gedeckt wurde. Dies kalkulierte das Politbüro sogar offen in seine Berechnungen ein, weswegen die kleinen Päckchen aus dem Westen zunehmend zu einem Wirtschaftsfaktor im Arbeiter- und Bauernstaat wurden.

Mit dem Fall der Mauer dann wurde der Ostmarkt schnell mit Kaffee überschwemmt - teilweise auch billigen Produkten, die noch hinter der Qualität der eigenen Ostmarken zurückblieben. Und ach ja: Vietnam wurde übrigens zum größten Kaffeeproduzenten in Fernost.

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